Leider eng mit dem Smart Meter Rollout-Fiasko zusammen hängt die Unfähigkeit, unser Stromnetz vor Ausfällen durch Netzüberlastung zu schützen.
Die Gesetzeslage sieht u.a. im §14a EnWG als Eingriffsmöglichkeit für Notfallsituationen vor, dass Netzbetreiber Großverbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen zwangsweise dimmen, also die Heiz- bzw. Ladeleistung begrenzen dürfen.
Die BILD-Zeitung hat das so schön als Strom-Sozialismus betitelt.
Der Wahrheitsgehalt solcher Behauptungen und der von verschiedenen Beteiligten zur Wahrscheinlichkeit von Blackouts sei mal dahingestellt, aber dass diese Möglichkeit im Grundsatz zur Verfügung stehen sollte, wird sicherlich niemand, der sich seriös um Krisenvorsorge Gedanken macht, ernsthaft bestreiten.
Das Problem liegt in der von den Netzbetreibern erdachten und (wenig enthusiastisch) verfolgten Lösung.
Das Dimmen „steuerbarer Verbrauchseinrichtungen“ nach §14a EnWG
Die aktuelle vom FNN Steuerkreis des VDE erdachte „Lösung“ erfordert nicht nur ein Smart Meter an jedem größeren Hausanschluss, sondern noch ein weiteres Gerät: Das sog. Control Local System (CLS) Gateway wird mit den Großverbrauchern des Haushaltes verkabelt und dimmt diese im Fall der Fälle oder stellt sie ab.
Aus technischer Sicht ist diese „Lösung“ ein im Sinne der Krisenvorsorge völlig verfehlter Heidenaufwand mit mehreren – teuren – dafür benötigten Terminen für Installationsarbeiten vor Ort.
In jedem deutschen Haushalt!
Das überholte Weltbild der Netzbetreiber
setzt auf der längst überkommenen Idee auf, der Netzbetreiber müsse die gesamte Steuer-Kette Ende-zu-Ende vollständig kontrollieren, weil Kunden das sonst missbrauchen könnten und auch würden.
Mal ganz abgesehen vom Versuch der Bevormundung der Stromkunden, der dabei überdeutlich wird, ist dieser auch völlig sinnfrei. Denn diese Ende-zu-Ende-Kette gibt es nicht.
Die einzige Person, die die Verantwortung, aber auch das Recht hat, die zu steuernden Geräte am Ende der Kette elektrisch und logisch anzuschließen, ist (und bleibt) allein der/die Stromkunde bzw. -kundin.
Nicht der Heizungsbauer, nicht der Elektriker, und schon gar nicht sein oder ihr Netzbetreiber!
Wenn der Kunde also beispielsweise den Steuerdraht durchknipst oder in seiner Wärmepumpe einstellt, dass diese das EVU-Sperrsignal ignorieren soll, dann findet genau das so statt, ohne dass der Netzbetreiber etwas davon mitbekommt, geschweige denn etwas dagegen tun könnte.
Das macht aber keiner, weil es den grundständigen Sinn dahinter konterkarieren würde und wir mündige und uns unserer Verantwortung bewusste (Strom)Konsumenten sind und es außerdem verboten ist.
Und die schwarzen Schafe können im Zweifelsfall dank der 15-minütigen Verbrauchsdaten aus den Smart Metern ja als solche überführt werden. Hier zu betrügen wäre dazu also auch noch ein ziemliches Risiko.
Es geht auch einfacher, günstiger und vor allem schneller
Und trotz dieses Aufwandes wird dieser Ansatz in absehbarer Zeit nicht zum Erfolg führen.
Allein schon der Abhängigkeit von Smart Metern wegen.
Liebe Netzbetreiber, nun beantwortet bitte diese einfache Frage:
Warum eigentlich stellt ihr keine offizielle Schnittstelle zur Verfügung, über die drohende Netzengpässe kommuniziert werden? Jede(r), der eigene Großgeräte schon dimmen kann, würde das dann freiwillig umsetzen. Das muss er oder sie in Eurer Wunschvariante doch sowieso tun.
Und ob er das tut, könnt ihr auch nicht kontrollieren!
Netzengpässe automatisiert zu kommunizieren erfordert nur einen Webserver. Die Kommunikation läuft über den Internetzugang der Stromkunden, ist also bereits vorhanden und kostet auch nichts.
Gibt man sich dann noch den entscheidenden Ruck und rückt auch noch vom bisher unantastbaren Prinzip der „Steuerung muss von oben kommen“ ab und überlässt es den Geräten vor Ort, sich diese Information abzuholen, dann wird ein Schuh daraus.
Solche Abfragen müssten nicht einmal zugriffsgeschützt werden, denn es wird ja noch nichts gesteuert, sondern nur eine Information verteilt.
Und spätestens, wenn alle Wärmepumpen ausgehen, weiß es eh jeder – das ist also kein Staatsgeheimnis und das Pseudo-Argument „muss sein weil (IT-)Sicherheit“ läuft hier komplett ins Leere.
Im Gegenteil, das Prinzip der allmächtigen Steuerzentrale ist für Cyberangriffe u.a. Sabotageversuche prinzipbedingt viel anfälliger, als letztgültige die Kontrolle zu dezentralisieren und den Bürgern zu überlassen.
Natürlich könnte man die Webserverzugriffe aber auch mit einem personalisierten Zugriffsschutz versehen und darüber auch gleich die Information erhalten, welche Haushalte bzw. EMS das aktiv haben.
Das würde auch gleich als Beweis für die Installation/Nutzung reichen, den Rabatt auch auszuzahlen.
Dann würden nicht nur die Freiwilligen, sondern alle mitmachen. Ein paar stichprobenartige Kontrollen, und die Gefahr, beim Betrügen erwischt zu werden, reicht als Motivation bereits völlig aus.
Und jeder, wirklich jeder EMS-Hersteller, wie auch wir einer sind, würde diese Schnittstelle sofort und mit Freude in sein Produkt einbauen, denn zusätzlich zum offenkundigen Nutzen für alle bedeutet es für ihn einen Wettbewerbsvorteil, wenn seine Kunden deswegen den Netzrabatt erhalten, den sie mit dem Konkurrenzprodukt nicht kriegen. Und die Hersteller von Wärmepumpen und Wallboxen würden es nachmachen. Ruck zuck machen es alle. So funktioniert Markt.
Einfach das Internet der Kunden mit Verschlüsselung nutzen
Die Zauberworte heißen *Kunden*-Internet und Verschlüsselung. Tibber macht es mit seinem Pulse ja vor.
Die gern und schnell an dieser Stelle angeführte (vermeintliche Un-)Zuverlässigkeit ist nur eine Ausrede.
Ein DSL-Anschluss garantiert 97,5 % Verfügbarkeit, liefert praktisch aber 99,8 % und wirklich jede und jeder weiß doch selbst nur zu gut, wie die Welt untergeht, wenn das Internet mal ausfällt.
Jeder Haushalt kümmert daher sowieso selbst und mit allerhöchster Priorität darum, dass „Internet“ und damit die Übertragungsmöglichkeit für die Steuerdaten der Netzbetreiber jederzeit zur Verfügung stehen!
Internet ist mittlerweile wichtiger als der Strom selbst und funktioniert ja sogar eine Weile lang ohne.
Nochmal: 99,8% mit allen Protokollschichten und technischen Komponenten der Kommunikationsstrecke!
Der Autor dieser Zeilen hat jüngst 3 Versuche gebraucht, um sein eigenes iMSys installiert zu bekommen.
Die ersten beiden scheiterten am unzureichenden Mobilfunkempfang.
Der Installateur meinte, das wäre bei 40% seiner Anschlussversuche so.
Erfolgreich war am Ende erst die Kunden-Internet-basierte Variante.
Für das in seinem Hauskeller funktionierende WLAN sorgt der Stromkunde schon aus Eigeninteresse.
Im Zweifelsfall reicht ein Funkrepeater für 30,- € aus dem Elektronikmarkt.
warum nicht einfach beides?
Was hindert euch, diesen Webservice parallel zum (eh nicht verfügbaren) §14a-Gewürge anzubieten?
Und bevor jetzt jemand „EEBus“ sagt, das ist so etwas wie die Internet basierte Form des CLS-Gateways: Auch das würde noch immer eine iMSys-Installation mit allen ungelösten, technologieinhärenten Problemen erfordern. Das funktioniert nicht und das skaliert auch nicht.
Unsere 2 Cents dazu:
Die Ursachen reichen weit zurück und tief. Man könnte sagen, dass Netzbetreiber noch immer wie Elektriker in *eigenen* Kabeln denken, Internet noch immer „Neuland“ für sie ist und sie nicht verstehen, dass zuverlässige und sichere Ende-zu-Ende-Kommunikation auch dann möglich ist, wenn man NICHT alle Komponenten des Kommunikationsnetzes dazwischen unter seiner eigenen Kontrolle hat.
(man denke nur mal an die immer noch gestellte absurde Forderung nach exklusiven GSM Frequenzen!)
Sorry, aber in Zeiten, wo alles virtualisiert funktioniert, ist das einfach nur grottig rückständig.




